Über den Kunstpavillon

Ein Pavillon tritt aus dem Schatten

Der Kunstpavillon im "Alten Botanischen Garten" bietet mehr als Ausstellungsfläche inmitten eines innerstädtischen Parks. Er ist mit seiner exponierten und doch etwas versteckten Lage an der Sophienstraße gleichsam das Entrée zur Münchner Kunstmeile. Als Kunstpavillon ist er ein Ausstellungsgebäude mit wechselvoller Geschichte. Als Produzenten Pavillon ist er Werkstatt für bildende Künstler unterschiedlicher Richtungen. Als Forum Pavillon ist er seit fast 60 Jahren offener Raum für Diskussionen und zeitkritische Auseinandersetzungen. Was den Pavillon von Kunsthallen und Galerien unterscheidet ist nicht nur seine wechselvolle Geschichte. Er wird von Künstlern geleitet, will weder Kunsthallen- noch reine Galerieausstellungen bieten, sondern Prozesse aufzeigen. Er will Kultur auf andere Art vermitteln.

Geschichte des Kunstpavillons

Das „kleine Ausstellungsgebäude“, vormals an der Elisenstraße gegenüber dem Justizpalast, wurde im Zuge der Neugestaltung des „Alten Botanischen Gartens“ 1936 an der Stelle des 1931 abgebrannten Glaspalastes gebaut.

Nach Ende des zweiten Weltkriegs war der Pavillon nur noch eine Ruine und Treffpunkt für Schwarzmarkthändler. Auf Initiative von Hannes König, Gründer des unabhängigen Schutzverbands Bildender Künstler (SBK), machten sich ab 1948 etliche Künstler in Selbsthilfe daran, den ehemaligen „Ausstellungstempel“ der Nazi-Zeit in einen lichten Ausstellungsraum für die Münchner Künstlerschaft zu verwandeln. Zur Finanzierung der Wiederaufbauarbeiten veranstaltete König Kunstlotterien und Spendensammlungen. Quasi als Honorar für den Wiederaufbau erhielt der Schutzverband einen Pachtvertrag zur alleinigen Nutzung des Gebäudes, der bis heute Bestand hat.

Am 9. September 1950 wurde der neue Ausstellungsbau eröffnet. Bereits ein Jahr später, die Diskussion um die Wiederbewaffnung der Nachkriegs-Bundesrepublik zeichnete sich bereits ab, organisierte der Schutzverband bildender Künstler eine große Antikriegs- Ausstellung. Die „zweite Ausstellung Künstlergruppe Pavillon“ konnte unter anderem Otto Dix und Otto Pankok gewinnen und setzte unübersehbare künstlerische Zeichen gegen militaristische Intentionen.

Außer den Jahres- und Themen-Ausstellungen der Schutzverbands-Künstler gab es im Pavillon immer wieder Präsentationen, die weit über den Rahmen des Verbands hinausgingen. In den 1950er Jahren – zu einer Zeit, als Faschingsumzüge in München noch fester Programmpunkt der närrischen Jahreszeit waren – verwandelten sich Gebäude und Vorplatz in Werkstätten, in den denen die weithin berühmten satirischen Wagen entstanden. Eine notwendige zusätzliche Einnahmequelle für Künstler und Verband.

Anfang der 1960er Jahre widmete sich Hannes König intensiv der Einrichtung des Valentin-Musäums. So war die erste Ausstellung der Gruppe „Spur“ 1960/61 für längere Zeit eines der letzten Ereignisse von überregionaler Bedeutung, das im Pavillon stattfand. Unter dem Vorsitzenden Konrad Hetz und einem verjüngten Vorstand wurde in den späten 1980er Jahren die Bestimmung des Pavillons neu definiert: weniger Ausstellungen nur für eigene Mitglieder, mehr Raum für auswärtige und ausländische Künstler. Damit fand die Kunst im Pavillon wieder den Weg hin zur Aktualität. Ein Beispiel ist die Themenausstellung von 1993 „Wehret den Anfängen“, die den 60ten Jahrestag der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit Fremdenfeindlichkeit im heutigen Deutschland künstlerisch verarbeitete.

Über den Schutzverband Bildender Künstler (SBK)

Der Schutzverband Bildender Künstler (SBK) wurde 1946 in München gegründet, damals als Teil der "Gewerkschaft der geistig und kulturell Schaffenden", die dem Bayrischen Gewerkschaftsbund angehörte. Mit der Gründung des DGB wurde der SBK Mitglied der Gewerkschaft Kunst. Der SBK arbeitete engagiert am Künstlersozialversicherungsgesetz mit. Heute ist der Schutzverband Teil der ver.di-Fachgruppe Bildende Kunst.

Mit Kunstpavillon, Produzenten Pavillon und Forum Pavillon stellen sich die Mitglieder des Vereins Ausstellungsleitung Pavillon e.V. den Herausforderungen und Ansprüchen des 21. Jahrhunderts. Sie wollen einen Kontrapunkt zum etablierten Kunstbetrieb setzen und mit interdisziplinärer Arbeit Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen suchen.

Der Kunstpavillon verfügt über eine Ausstellungsfläche von rund 153 qm.